Rechtzeitige Hilfe
Eine wahre Geschichte über Gottes perfektes Timing
Inzwischen war es stockdunkel. Ein wunderschöner, romantischer Tag mit meinem zukünftigen Ehemann lag hinter mir. Ich setzte mich ins Auto und wollte mich beeilen nach Hause zu kommen, da es wie so oft spät geworden war. Eine Stunde Autofahrt lag vor mir, die ich in Gedanken bei meinem Freund und den Geschehnissen des Tages genießen wollte. Ich bog auf die Autobahn und beschleunigte. Das warme Gefühl in meinem Herzen, welches immer noch nachklang, wurde jäh unterbrochen, als mein Blick auf die Temperaturanzeige des Motors fiel.
Was geschah da? Der Zeiger schob sich schnell in den roten Bereich. Was sollte ich tun? Hier mitten auf der Autobahn? Plötzlich schoss mir das Gespräch vor einer Woche mit meiner Arbeitskollegin durch den Kopf. Genau das war ihr vor gar nicht langer Zeit auch passiert. Was hatte sie unternommen?
Achja, ich erinnerte mich. Sie hatte die Heizung auf die höchste Stufe gestellt. Das tat ich jetzt auch und drosselte die Geschwindigkeit so, dass die Drehzahl des Motors so niedrig wie möglich blieb, bis ich rechts ranfahren konnte.
Nachdem ich nun die Heizung aufgedreht und alle Fenster heruntergefahren hatte, suchte ich die vorbeirauschenden Schilder nach einem Rastplatz sowie meinem genauen Standort ab. Stattdessen wurde eine Baustelle angekündigt. Mit vier Kilometer Länge!
Ich begann verzweifelt zu Gott zu flehen, wo ich bis eben nur um seine Hilfe gebeten hatte. Wie sollte mein Auto unbeschadet diese nächsten Kilometer überstehen? Schon folgte ich der neuen Spur, welche mit orangefarbenen Streifen markiert war, von blinkenden Baustellenlampen flankiert. Der Standstreifen war zu einer Fahrbahn deklariert worden. Hier gab es keine Möglichkeit rechts ranzufahren.
Ein weiterer Blick auf mein Armaturenbrett ließ mich an meiner Wahrnehmung zweifeln. Die Temperatur sank und blieb auf den 90 Grad stehen, als wäre nichts geschehen. Wie? Ich konnte es mir nicht erklären. Immer wieder warf ich einen verstohlenen Blick auf die Anzeige. Es blieb bei den 90 Grad.
Du bist der Gott, der Wunder tut!
» Psalm 77,15
Langsam entspannte ich mich ein wenig. Vielleicht war der Fehler behoben und ich konnte ohne weitere Probleme zuhause ankommen.
Doch kaum lag die Baustelle hinter mir, als die Temperatur wieder dramatisch zu steigen begann. Das war es wohl mit meinem Hoffnungsschimmer… Wo war die nächste Ausfahrt?
Es dauerte nicht lange, als ein Rastplatz in Sicht kam. Ich folgte der Ausfahrt und blieb auf dem ersten Parkplatz stehen. Geschafft. Was jetzt? Ich sah mich um. Es war verlassen und dunkel. Am anderen Ende des Rastplatzes stand ein heruntergekommenes Toilettenhäuschen mit einer einsamen Lampe, die tapfer gegen die Dunkelheit ankämpfte. Doch bis zu mir reichte der Lichtkegel nicht. Ich stieg aus und prüfte, was ich eben prüfen konnte. Die Motorhaube war glühend heiß. Unter dem Auto blieb es trocken.
Wie gut, dass ich ein Handy dabei hatte! Ich kramte es hervor und war äußerst darüber froh, dass der Akku noch genug Leistung hatte. Mein erster Anruf galt meinem Vater, der sich auch bald verschlafen am anderen Ende meldete. Er würde kommen – doch das würde noch etwa eine Stunde dauern.
Wenn ihr dann zu mir ruft, werde ich euch antworten. Wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: ›Ja, hier bin ich.‹
» Jesaja 58,9
Ich lehnte mich beklommen an mein Auto. In Gedanken kämpfte ich gegen Angst und Sorge an, in dem ich einfach weiter mit Gott redete. Da parkte ein weißer Transporter neben mir und drei Jugendliche stiegen aus. Bevor ich mich entscheiden konnte, ob ich sie um Hilfe bitten sollte oder lieber in meinem Wagen auf meinen Vater warten sollte, weil ich, naja, als junge Frau einsam auf einem dunklen Parkplatz mitten im Nirgendwo vorsichtig sein sollte…
„Können wir dir irgendwie helfen?“, unterbrach eine freundliche Stimme meinen Gedankengang.
„Ich weiß nicht. Ich vermute, dass die Kühlflüssigkeit ausgelaufen ist… Mein Vater ist schon auf dem Weg hierher.“
Kaum hatte ich ausgesprochen leuchtete einer der Männer bereits mit seinem Handy unter das Auto. Ein anderer fragte mich, ob ich die Motorhaube von innen öffnen könnte. Das tat ich. Er bestätigte meinen Verdacht und schickte den dritten Mann los um in einer 0,5L Flasche Wasser aus dem Häuschen heranzuschaffen. Irgendwie konnten sie den Kühler notdürftig abdichten und wieder füllen. Ich war sprachlos angesichts dieser Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft! Einer der Männer war einige Male mit der kleinen Wasserflasche hin und her gelaufen. Ich brauchte nur daneben zu stehen und zuzuschauen.
Ich rief meinen Vater an um Bescheid zu geben, dass ich dank der beherzten Hilfe der drei jungen Männer es selbst nach Hause schaffen würde. Als ich ihnen meinen Dank ausdrücken und mich verabschieden wollte, fragte einer:
„Wohin fährst du eigentlich?“ Ich nannte ihnen die Ausfahrt zu meinem Zuhause.
„Na dann wollen wir dich bis dahin begleiten. Wir fahren hinter dir her, um sicherzustellen, dass du dort auch sicher ankommst!“
Mein Herz war gerührt und voll Dankbarkeit. Tatsächlich passten die drei sich meiner nun sehr vorsichtigen Fahrweise an und winkten mir nach der ca. halbstündigen Fahrt zum Abschied. Ohne weitere Zwischenfälle kam ich gut zu Hause an und wunderte mich über das, was mir geschehen war.
So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!
» Hebräer 4,16
Wenn ich heute daran zurückdenke, füllen sich immer noch meine Augen mit Tränen. Wie hatte der Herr doch für alles gesorgt! Er hatte es so eingefädelt, dass meine Kollegin kurz zuvor dasselbe Problem erfahren musste und mir so von den Sofortmaßnahmen erzählen konnte. Er hatte die drei jungen Männer, die von weit her kamen, auf den Weg geschickt und denselben Rastplatz anfahren lassen, auf dem ich auf Hilfe wartete. Diese Hilfen waren schon auf dem Weg zu mir gewesen, bevor ich überhaupt ein Problem hatte und bei Gott um Hilfe bitten konnte. Außerdem hatte er das kleine Wunder vollbracht, dass die Temperatur des Motors ungefährlich wurde und blieb, solange ich in der ausweglosen Spur der Baustelle gefangen war.
Gott kommt nie zu spät! Umso mehr ich über diesen ganzen Vorfall nachdenke, umso lehrreicher wird er mir. Gott hätte wie sonst auch mein Gebet um Bewahrung so erhören können, dass es keinen Zwischenfall gegeben hätte. Aus Erfahrung weiß ich, dass man dieses Gebet oft nur als Floskel dahersagt, weil man eben die Bewahrung sonst nicht spürt oder als selbstverständlich hinnimmt.
Deswegen bin ich Gott von Herzen dankbar, dass er mir seine rechtzeitige Hilfe auf so dramatische Weise angedeihen ließ und ich nun wissen darf – unter all den anderen wunderbaren Lektionen jenes Abends-, dass Gott nie zu spät kommt.
Wenn ich in eine notvolle Situation komme, so darf ich wissen, dass Gott schon alle nötigen Hebel in Bewegung gesetzt hat, dass seine Hilfe rechtzeitig ankommt. Auch wenn „rechtzeitig“ sich oft als viel zu spät anfühlt…
Du und ich dürfen als Kinder unseres himmlischen Vaters jederzeit mit Zuversicht mit unseren Bitten zu ihm kommen. Dort vor seinem Thron, welchem alles unterworfen ist und gehorchen muss, ist Gnade und Barmherzigkeit zu finden!
Euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.
» Matthäus 6,8
Und es wird geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; während sie noch reden, will ich [sie] erhören!
» Jesaja 65,24